Über mich

Ich erfinde Geschichten, seit ich denken kann. Das klingt rückblickend sehr nach geradliniger Autorenkarriere. Tatsächlich habe ich nur ziemlich lange gebraucht, um daraus die naheliegende Konsequenz zu ziehen und Bücher zu schreiben. Stattdessen habe ich Biologie und Spanisch studiert, an Schulen gearbeitet und später Anatomie für Medizinstudierende unterrichtet. Dabei stellte ich unter anderem fest, dass ich Schüler zwar mochte, der Beruf als Lehrerin aber trotzdem nicht besonders gut zu mir passte. Ich bin ziemlich introvertiert. Ein Beruf, bei dem gleichzeitig sehr viele Menschen etwas von einem wollen, war deshalb möglicherweise nicht meine brillanteste Karriereentscheidung.

Geschichten waren trotzdem immer da. Beim Einschlafen, auf Fahrten, während der Arbeit und in praktisch jeder stillen Minute dazwischen. Ich habe Figuren erfunden, Welten gebaut und immer wieder angefangen zu schreiben. Meist kamen ein paar Kapitel dabei heraus, manchmal mehr, und irgendwann verschwand die Geschichte wieder in einer Schublade.

Beruflich landete ich schließlich für viele Jahre in der Selbstständigkeit. Ich habe Wolle gefärbt, mit den Händen gearbeitet und später angefangen, Schmuck zu schmieden. Irgendwann hatte ich dabei allerdings sehr erfolgreich bewiesen, dass man auch mit Dingen, die man liebt, viel zu viel arbeiten kann. Ich war erschöpft, ziemlich dicht an einem Burnout und brauchte etwas, das zunächst einmal nichts leisten musste. Keine Bestellung, kein Produkt, keine vernünftige geschäftliche Entscheidung. Also erfand ich Asher Bale.

Das eskalierte ein wenig. Was als Geschichte nur für mich begann, wurde erst ein Roman, dann eine Reihe und schließlich eine Welt, deren grober Handlungsbogen inzwischen für vierzehn Bände steht. Offenbar bestand mein Plan zur Erholung darin, mir zusätzlich mehrere hunderttausend Wörter Arbeit zu verschaffen. Zu meiner Verteidigung: Es hat funktioniert.

Seitdem hat mich diese Welt nicht mehr richtig losgelassen. Ich möchte, dass sie sich trotz all ihrer Magie möglichst echt anfühlt. Deshalb recherchiere ich Verletzungen, Tiere, Orte, Waffen, Materialien und allerlei Dinge, von denen ich vorher nicht wusste, dass ich sie für einen Urban-Fantasy-Roman jemals wissen wollen würde. Manchmal helfen mein Biologiestudium und die Jahre in der Anatomie. Manchmal jahrzehntelanger Kampfsport. Und manchmal Google Street View.

Mit Judo habe ich mit sechs angefangen. Zumindest offiziell. Mein Vater war Ringer und hatte mich bereits im Kindergartenalter ausführlich darüber informiert, dass körperliche Auseinandersetzungen mit größeren Gegnern ausgesprochen unfair sein können. Später habe ich viele Jahre Florett und Degen gefochten, zeitweise Säbel, danach kamen Kickboxen und Muay Thai dazu. Das bedeutet leider nicht, dass sämtliche Kämpfe in meinen Büchern wissenschaftlich unangreifbar sind. Es bedeutet hauptsächlich, dass ich sehr viel Zeit damit verbringen kann, darüber nachzudenken, ob jemand nach einem bestimmten Treffer noch stehen würde.

Dass ausgerechnet mein Protagonist ein Heiler und Gestaltwandler geworden ist, hat vermutlich ebenfalls wenig mit Zufall zu tun. Körper und Tiere interessieren mich schon sehr lange. Vieles wird recherchiert, anderes sinnvoll erfunden oder so lange zurechtgeschoben, bis reale Welt und Fantasy miteinander funktionieren. Ich möchte keine Realität simulieren. Ich möchte eine fantastische Welt schaffen, bei der man nicht ständig merkt, wo die Kulissen anfangen.

Auch mein handwerklicher Hintergrund landet darin. Ich mag Werkzeuge, Materialien und konkrete Probleme. Vielleicht fühlt sich deshalb selbst Magie bei mir häufiger nach Widerstand und Mechanik an als nach einem bedeutungsvollen Wink in Richtung Mond. Und weil Bücher schreiben allein offenbar noch nicht ausreichend Beschäftigung ist, zeichne ich auch meine Cover selbst – ebenso die Illustrationen und alles andere, was auf dieser Website zu sehen ist. Ich mag den Gedanken, dass nicht nur die Geschichten, sondern auch ihr Gesicht aus derselben Hand stammen.

Unterstützt werde ich von meinem Mann, der über einen ausgezeichneten Humor, erstaunlich viel Geduld und eine Form von Rückhalt verfügt, für die ich sehr dankbar bin. Außerdem leben hier mehrere Katzen. Sie bewachen Manuskripte, verschieben Arbeitsmaterialien und betrachten sich meines Erachtens als unverzichtbaren Teil des kreativen Teams.

Und dann ist da natürlich Asher. Die Frage, wie viel von mir in ihm steckt, lässt sich nicht ganz einfach beantworten. Er ist aus meinem Kopf entstanden, also wäre es vermutlich verdächtig, wenn wir überhaupt nichts gemeinsam hätten. Manche seiner Eigenschaften kenne ich sehr gut. Einige seiner Ängste auch. Und die Richtung, in die er sich entwickelt, hat viel mit Dingen zu tun, die ich selbst wichtig finde: Grenzen setzen. Sich nicht nur danach beurteilen, wie nützlich man für andere ist. Menschen vertrauen. Hilfe annehmen. Den eigenen Platz nicht ständig rechtfertigen müssen. Trotzdem bin ich nicht Asher. Er hat seine eigenen Macken, trifft Entscheidungen, bei denen ich ihm gern kurz das Manuskript aus der Hand nehmen würde, und ist wahrscheinlich sozial kompetenter als ich. Dafür besitzt er erheblich weniger Zeug. Und Pflanzen. Sehr viel weniger Pflanzen.

Was ich selbst an Geschichten liebe, findet man wahrscheinlich auch in diesen Büchern: Figuren mit Fehlern. Freundschaften, die irgendwann zu Familie werden. Sarkasmus zu Zeitpunkten, an denen er eigentlich nicht angebracht ist. Magie mit Regeln. Menschen, die Schlimmes erleben und danach nicht einfach wieder unbeschädigt in die Handlung zurückgestellt werden. Vor allem aber mag ich Geschichten über Menschen, die weitermachen. Vielleicht bedeutet mir Asher Bale deshalb so viel. Die Welt, in der diese Bücher entstanden sind, fühlte sich nicht immer besonders freundlich oder übersichtlich an. Es gab Veränderungen, Unsicherheit und vieles, auf das ich keinen Einfluss hatte. Und wie vermutlich viele Menschen habe ich festgestellt, dass man sich manchmal nach einem Ort sehnt, an dem zumindest jemand weiß, wohin die Geschichte führt.

Ashers Welt ist ebenfalls nicht freundlich. Sie kann düster, brutal und ausgesprochen unfair sein. Menschen werden verletzt, verlieren Dinge, haben Angst und müssen mit den Folgen ihrer Entscheidungen leben. Aber diese Welt hat Grenzen. Ich bestimme, was darin geschieht. Vielleicht schreibe ich gerade deshalb gern über schlimme Dinge. Hier sind sie kontrolliert. Ein Verlust darf Folgen haben, ohne alles zu zerstören. Verletzungen dürfen wehtun und Heilung Zeit brauchen. Menschen dürfen scheitern, ohne deshalb verloren zu sein. Und vielleicht ist das auch ein Teil dessen, warum wir solche Geschichten lesen: Man darf sich für ein paar Stunden in eine gefährliche Welt fallen lassen und darauf vertrauen, dass jemand aufpasst. Ich verspreche nicht, dass Asher unbeschadet ankommt. Nur, dass ich ihn nicht dort liegen lasse.

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